
Hugenottenstraße 119
61381 Friedrichsdorf
tel. 06172-764 65 0
fax 06172-764 65 25
mail: info@rims-web.de
Pirates of Grammar
Wer erinnerte sich bei der Lektüre der teils grotesken Nachrichten über die moderne Piraterie am Horn von Afrika in den letzten Monaten nicht auch spannender Geschichten aus der Kinder- und Jugendzeit, da die Freibeuter zur See einst Stoff für abenteuerlichste Erzählungen über den Kampf um Macht und wirtschaftliche Interessen auf den Weltmeeren boten? Ganz andere Assoziationen weckten diese Nachrichten offenbar bei der Klasse LU1 an der RIMS. Hier schickten die Schülerinnen und Schüler unter Anleitung ihrer Klassenlehrerin Mirela Duplančić eine ganze Truppe verwegener Piraten auf die Grammatik-Insel, um dort in einer spannenden und zugleich humorvollen Rahmenhandlung die Schätze der 'english grammar' aufzuspüren. Was gemeinhin in Form von Regelsätzen dröge und trocken an des Schülers Ohr und Auge gelangt, in der Inszenierung dieses Musicals der "Pirates from Grammar Island", das jüngst in der Aula der RIMS seine Premiere hatte, wurde dem abstrakten Regelwerk plötzlich inhaltlich, szenisch und musikalisch Leben eingehaucht.

Soli und Chor fanden Halt in der musikalischen Begleitung von Claudia Krämer und die jungen Darstellerinnen und Darsteller gingen voll in ihren Rollen als Groß- und Kleinschreibung (Adrian Welcker, Sebastian Schneider), Verben (Maximilian Spieler, Sam Heymann), Pronomen (Malena Binder de Serdio, Jacob Solf), Frageworte (Coale Norris) und Aussagesatz (Joshua Norris), Imperative (Victor Frank); Adverbien und Adjektive (Kerstin Pattison und Lara Funk) oder auch als Interpunktionen (Fabian Walter, Kai Martin und Sean Panreck) auf. Weitere Rollen besetzten Bushra Triebener, Melanie Rehfeld und Vincent vant'Hof.
An der Reaktion des Publikums war unschwer abzusehen, wie eng Begeisterung der Darsteller und Begeisterungsfähigkeit des Auditoriums zusammenhängen. Der Applaus belohnte für die Mühen und das Lampenfieber, die nach dreimonatiger Vorbereitungszeit in eine wunderschöne Aufführung in der Aula der Rhein-Main International Montessori School mündeten.
Apropos Piraterie - auch das ein Gedanke, der bei dem weiteren Nachdenken über dieses gelungene Stück gelebter Montessori-Pädagogik aufkam. In wie vielen Fächern hatten die Kinder denn eigentlich mit dieser scheinbar dem Englischunterricht zuzuordnenden Inszenierung geräubert?
Musik,
ganz
klar; Drama und Ausdruck natürlich ebenso; Kunst - wer wollte
es mit
Blick auf Plakat und Bühnendekoration sowie die
Kostüme verneinen;
Geschichte natürlich, denn ohne den Blick zurück in
längst
vergangene Zeiten würde auch dieses Piratenstück kaum
verstanden;
daß die Kinder ihre Rollen und Texte lesen und
schließlich
auswendig rekapitulieren konnten, ein nicht zu
vernachlässigender
Lerneffekt; und schließlich noch das Sozialverhalten als
Schauspieltruppe - in der jeder für den anderen einzustehen
hatte
und sich alle Interpreten gegenseitig über die eine oder
andere
Fehlstelle hinweg halfen. Fazit: Premiere bestanden, Lehrplan
erfüllt
und allseits gut geräubert. Wir freuen uns schon heute auf ein
Mehr
davon in anderem Zusammenhang.
Und ganz aktuell: Die „Pirates of Grammar“ entern erneut die Aufmerksamkeit der RIMS-Gemeinde, und zwar im Verlauf des Sommerfestes am 27. Juni. Details werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben.
Roland Hoede
